Vom Kribbeln zur Diagnose – Mein Weg mit MS

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Hey,

wie ist Euer Tag bisher gewesen? Ich hoffe doch gut!

Seit dem 17.03.2015 lebe ich mit der Diagnose Multiple Sklerose – kurz MS. So ein Datum prägt sich ein wie der Geburtstag der eigenen Kinder oder Eltern. Was ist MS eigentlich?

MS ist eine Entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems die das Gehirn und das Rückenmark betrifft und meist im frühen Erwachsenenalter erstmalig auftritt. Multiple Sklerose wie auch als ‚Krankheit mit 1000 Gesichtern‘ bezeichnet, weil sie von Patient zu Patient unterschiedlich verläuft. Wer sich gerne genauer damit befassen möchte, dem kann ich die Seite www.msundich.de sehr empfehlen.

So aber nun mal zu meinem Weg bis zur Diagnose. Alles fing zum Jahresbeginn 2014 an, ich fühlte mich ständig platt, antriebslos und müde. Ich schlief zu der Zeit sehr viel. Dazu kam eine, naja sagen wir mal sehr anstrengende Beziehung mit meinem damaligen Freund dazu. Diese Antriebslosigkeit, habe ich damals einfach auf den ganzen Stress in der Beziehung und auf der Arbeit geschoben und habe mir gesagt, das wird schon wieder alles. Nach der Trennung Ende Mai, ging es mir kurzzeitig auch besser, weil eine riesen Last von mir gefallen ist. Mir sollte es etwa 2,5 Monate bessergehen. Im August 2014 kurz nach meinem Geburtstag, kam dann ein Kribbeln in der rechten Hand. Ach das ist nur Stress oder vielleicht ein Nerv der etwas zickt, das wird wieder. Tja Pustekuchen, dachte sich mein Körper. Das Kribbeln strahlte von der Hand in den Arm und weiter runter in das rechte Bein und Fuß. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn der Fuß eingeschlafen ist und man wieder läuft?! So wie sich dieses Kribbeln angefühlt hat, war mein Kribbeln dauerhaft in Hand, Arm, Bein und Fuß. Dann hab ich endlich mal begriffen, dass es vielleicht doch besser wäre mal bei meine Hausärztin einen Termin zu machen. Gesagt getan, 2 Tage später bekam ich einen Termin, sie untersuchte mich, ich musste verschiedene neurologische Übungen machen. Sie verordnete ein MRT der Brustwirbelsäule, weil der Verdacht Bandscheibenvorfall im Raum stand. Da war ich erstmal geschockt, 24 Jahre alt und es stand der Verdacht Bandscheibenvorfall im Raum. Das kann nicht sein, dachte ich mir. Gut, ich machte kaum Sport und saß den ganzen Tag im Büro, aber ich hatte keine Schmerzen im Rücken oder so etwas und mein Bauchgefühl sagte mir, dass muss was anders sein. Also Termin für das MRT gemacht, 2 Wochen später hatte ich dann einen Termin. Das MRT war unauffällig, so dass meine Hausärztin mich zu einem Neurochirurgen überwies. Gleiches Spiel mit den Tests, nur das diese etwas vielfältiger ausgefallen sind. Joa, er konnte mir auch nicht wirklich weiterhelfen und meinte ich müsse ins Krankenhaus zu einer Lumbalpunktion. Ich bekam also meine Überweisung in die Hand gedrückt und bin nach Hause gefahren. Auf der Überweisung stand nur ‚Verdacht auf Entzündung des ZNS‘ ich hatte keine Ahnung was das für mich heißen würde.

Ohne mir weiter einen Kopf gemacht zu haben, hat mich am nächsten Abend meine Hausärztin um 20:30 Uhr angerufen und gesagt ich solle am nächsten Tag bitte in Ihre Praxis kommen und meine Mama könne auch mitkommen, wenn sie möchte, sie müsse mit uns das weitere Vorgehen besprechen. Da war ich erstmal platt, wie Ihr euch vorstellen könnt. Ich dachte nur scheiße, was denn jetzt bitte los?! Mich hatte bis dato, noch nie ein Arzt von sich aus angerufen. Naja wie besprochen bin ich mit meiner Mama am nächsten Tag also in die Praxis. Und dort fragte sie mich ob ich wüsste was für ein Verdacht im Raum steht?! Natürlich nicht, woher auch?! Meine Ärztin klärte uns auf und sagte, dass MS als Verdacht im Raum steht. Ich wusste was MS ist, war aber natürlich trotzdem geschockt. Sie empfiehl mir zu dem Zeitpunkt einen Neurologen. Ich machte also einen Termin im Krankenhaus. Im November war es dann soweit. Am ersten Tag wurden allerhand Tests gemacht, Gespräche geführt und so weiter. Am zweiten Tag, ein Donnerstag, hieß es spontan um 9:30 Uhr so wir machen jetzt die Lumbalpunktion. Ich bin erstmal aus alles Wolken gefallen, weil ich vorher extra gesagt hatte ich möchte, dass meine Mutter dabei ist, ich war zwar schon 24 Jahre alt, aber eine Nadel im Rücken zwischen den Wirbeln machte mir trotzdem Angst. Mein Wunsch wurde nicht gehört, dafür bestand ich auf eine Schwester zum Händchen halten. Das war auch ganz gut so, denn als der Arzt die Nadel ansetzte, bin ich einmal komplett zusammengezuckt. Zum Glück hatte sich die Schwester auf meine Schulter abgestützt und dabei meine Hände gehalten, sodass der Arzt trotzdem getroffen hat. Beim raus ziehen der Nadel, brach es aus mir heraus, ich habe kurzzeitig so ein Stechen im Kopf gehabt, dass ich vor Schmerzen einfach nur das Weinen anfing. Die Schwester hat sich toll um mich gekümmert. Dann hieß es 3 Stunden liegen, was erstmal kein Problem war, weil ich noch zum EEG musste und das wurde im Liegen gemacht. Als ich vom EEG wieder auf meinem Zimmer war, war meine Mama schon da und es war kurz alles gut für mich. Ich hatte eine Schwester gefragt ob ich aufstehen dürfte, weil ich mal zur Toilette musste. Ich durfte. Und da fing es an, ich habe wieder diese extremen Kopfschmerzen bekommen. Konnte kaum gerade laufen oder sitzen, als dann noch das Essen kam, war alles vorbei. Mir wurde schlagartig so schlecht vom Geruch des Essens, dass ich nur zur Toilette gelaufen bin. Meine Mutter hatte eine Schwester ins Zimmer geklingelt und gefragt ob ich was bekommen könnte gegen die Schmerzen. Ich bekam eine Ibu800, sonst Tabletten die mich schweben lassen, in diesem Fall aber rein gar nichts gebracht haben. Es hieß also liegen, liegen, liegen und dreimal überlegen ob man wirklich aufs Klo musste. Essen konnte ich dann Donnerstag und Freitag gar nicht, weil ich das Essen nur riechen musste und mir sofort schlecht war. Freitag bekam ich kurz vor meiner Entlassung einen Brief für den Neurologen und ich solle in 3 Monaten nochmal ein MRT machen lassen und dann bei ihm vorstellig werden. Auf der Rückfahrt, habe ich nur gebetet, dass es keine roten Ampeln gibt und meine Mutter nicht bremsen muss. Ich habe dann jedes Mal gedacht, mein Gehirn schlägt von innen an die Stirn. Ich habe ein relativ hohes Schmerzlevel, aber das war nicht auszuhalten. Zuhause angekommen, habe ich nur meine Schuhe ausgezogen und bin gleich ins Bett gekrochen. Abends hatte ich dann mal eine halbe Stunde an der es mit den Kopfschmerzen und der Übelkeit ging und ich konnte etwas essen, danach fing das gleiche Spiel wieder von vorne an und so ging, es das ganze Wochenende weiter. Meine Eltern waren schon am Überlegen mich wieder ins Krankenhaus zu bringen, das ist doch nicht normal meinten sie. Ich wollte nicht, lass uns zu meiner Hausärztin am Montag. Meine Mutter hat also Montagmorgen in der Praxis angerufen und ich könne jederzeit vorbeikommen, ich habe mich also kurz frisch gemacht und wir sind los. Da ich nicht sitzen oder stehen konnte vor Schmerzen, wurde ich gleich in ein Behandlungszimmer gebracht wo ich mich hinlegen konnte bis die Ärztin da war. Sie verschrieb mir Schmerztropfen. Die Tropfen habe mir zwischen durch mal für 2-3 Stunden Erleichterung gebracht. Zeit in der mich duschen konnte oder mal Fernsehen konnte. Als mir nach insgesamt 2 Wochen wieder besserging und ich zur Arbeit konnte, machte ich also einen Termin beim MRT gemacht und danach bei meinem Neurologen. Der Termin war am 17.03.15, den Tage habe ich mir frei genommen, einfach weil ich nicht wusste wie ich reagieren würde. Ich habe an dem Tag also ausgeschlafen und mich ganz in Ruhe fertiggemacht. Ich weiß noch genau ich habe den Tag richtig aufgelegt. Keine Ahnung ob ich mir damit eine Maske schaffen wollte oder so?! Ich bin dann also mit meiner Mama zusammen zum Neurologen gefahren, mit dem Brief aus dem Krankenhaus und den ganzen MRT Bildern unterm Arm.

Kennt ihr das, dass ihr manchmal schon ein gewisses Gefühl habt?! Bei mir war es so, allerdings schon seit Wochen. Wir haben also wir im Wartezimmer gewartet bis wir aufgerufen wurde. Ich habe meinem Neurologen alles in die Hand gedrückt, er schaute sich die Sachen an und fragte wie es mir mit der Diagnose gehen würde?! Ich bin aus allen Wolken gefallen und meinte ich habe noch gar keine Diagnose! Oh, ja der Verdacht hat sich bestätigt, hat er nur gesagt. Manch einer möchte meinen, es war etwas unsensibel jemanden so zu sagen, dass er unheilbar krank ist, aber ich muss sagen ich bin um jeden Arzt der mir gerade heraus sagt was los ist, dankbar. In dem Moment war meine Mama mehr geschockt als ich, ich hatte es ja schon im Gefühl und war deshalb nicht so überrascht. Ich habe nicht geweint oder sonst etwas, ich habe es in dem Moment einfach nur hingenommen. Ich wusste ja nicht wirklich was auf mich zu kommt. Es war ja wirklich nur durch einen dummen Zufall und der Hartnäckigkeit meiner Hausärztin entdeckt worden.

Jetzt wo ich hier sitze und diesen Beitrag tippe ist das ganze 974 Tage her. Was sich seitdem verändert hat? Alles und nichts. Ich bin immer noch ich selber, lebensfroh, aufgeweckt und mutig. Gleichzeitig habe ich gelernt meine Grenzen zu akzeptieren, mir Pausen und Ruhe zu gönnen, wenn ich sie brauche und vor allem für mich persönlich das wichtigste, einfach auch mal NEIN zu sagen.

Ich bin krank, ich weiß es, aber wenn ich nicht jeden Tag meine Medikamente nehmen müsste, würde ich es auch einfach mal für gewisse Zeit vergessen. Weil man auch einfach nichts ’sieht‘. Mir geht es wirklich gut damit und ich habe Glück, dass es mir damit auch noch so gut geht.

Seid euch immer bewusst Gesundheit ist das wichtigste im Leben. Geht nicht so leichtsinnig mit euch selbst um, denn ihr merkt erst, was gesund sein bedeutet, wenn ihr es nicht mehr seid.

 

Ich wünsche euch einen schönen Tag!

Jeannie ❤

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